Die Gestaltung wurde für die Nutzung durch den PDA optimiert. Deshalb folgen die weiteren Informationsabschnitte am Ende der Seite.
Samstag, 17.05.2008
[477] 'Galileo Mystery' und 'Das Böse' - mit sieben Ergänzungen
„Galileo Mystery“ sucht auf PRO7 die Ursache des Bösen. Scheinbar friedliebende Menschen begehen Verbrechen. Steckt der Teufel in jedem von uns? Am Ende des Beitrags stellen Aiman Abdallah und sein Team fest: „Das Böse steckt in fast jedem von uns!“ Offen gelassen wird die Frage, wer denn die wenigen Menschen sind, die in der Größenordnung von „fast“ frei vom Bösen sind. Vor einiger Zeit hatte sich PLANETOPIA mit dem gleichen Thema befasst. Damals waren aber aktuelle Fälle von Tierquälerei der Ausgangspunkt. Es wurden interessante neuartige Erkenntnisse verkündet. Leider haben Aiman Abdallah und sein Team die damaligen Erkenntnisse nicht weitergeführt. Dafür haben sie ein Experiment als ihr eigenes zelebriert, bei dem man die Bartaufwickelmaschine nicht mehr überhören konnte. Man verzeihe mir diese Formulierung, aber es sind bestimmt schon dreißig Jahre her, dass ich erstmals von diesem Experiment gehört hatte. 2LaaAdNXDefF2Crb "Das Böse – steckt der Teufel in jedem von uns?" "Jochen Voit" "Sibel Balta" "Aiman Abdallah" "Insa Müller" rnaQDYUsPX3UXVyG
Das aus dem Jahre 1971 stammende Stanford-Prison-Experiment des Psychologen Prof. Philip Zimbardo von der Stanford-Universität in Kalifornien wurde natürlich ebenfalls erwähnt. Dieses dürfte ja über seine Verfilmung einen größeren Bekanntheitsgrad erreicht haben. Überrascht hat mich, dass einige doch noch nicht so alte aktuelle Fälle genannt wurden. Insgesamt wurden drei Aspekte herausgearbeitet:
- Situation
- Gemeint ist eine Situation, in der die einzelne Person in einer persönlichen Machtposition agiert und die Verantwortung für das eigene Handeln an eine höhere Autorität abtreten kann.
- Persönlichkeit
- Gemein ist eine Persönlichkeitsstörung, die aber nur selten so zum Tragen kommt. Das Handeln des Betroffenen lässt sich nicht mehr mit normalen Maßstäben erklären. Tritt aber nur selten auf.
- Hirnschäden
- Gemeint ist eine Schädigung in dem Hirnbereich, in dem die Steuerung durch die Moral angesiedelt ist. Wurde erst vor kurzem ermittelt und kann mit Epilepsie zusammenhängen. Tritt aber nach bisherigen Erkenntnissen nur selten auf.
Nicht behandelt wurde der Einfluss der herrschenden Kultur und der persönlichen Erziehung. Zwischen den Zeilen wurde angedeutet, dass die drei Aspekte nicht heilbar sind. Nicht formuliert wurde die Frage, welchen Nutzen dann eine Gefängnisstrafe bringt. Das Stanford-Prison-Experiment hat ja in einem irakischen Militärgefängnis eine traurige Bestätigung in der Realität gefunden. Bei Persönlichkeitsstörungen werden von den Politikern und von den ihnen Beifall klatschenden Teilen der Bevölkerung gern und schnell die „Gewalt verherrlichenden“, also alle Computerspiele angeklagt. Aiman Abdallah und sein Team stellten relativ deutlich klar, dass mit solchen Computerspielen vorhandene Persönlichkeitsstörungen ausgelebt werden können, aber niemals neue erzeugt werden. Damit ist stillschweigend auch die Nutzlosigkeit von solchen Verboten aufgezeigt worden. Zwei Jugendliche hatte ein Ehepaar mit Messerstichen ermordet. Nun sind in Deutschland in der letzten Zeit fast alle Messer verboten worden. Was nützt das? Die Jugendlichen hatten das Verbot ignoriert und zu Küchenmessern gegriffen. Die Konsequenz, nun auch noch die Küchenmesser zu verbieten, wurde in der Sendung nicht gezogen.
Man kann also nicht sagen, hier wurden aktuell wichtige Themen angesprochen, denn es wurde nur ganz zart an deren Oberflächen gekratzt. In diesem Bereich sind offensichtlich noch wesentlich mehr Fragen offen, als in einer Sendung gestellt, geschweige denn beantwortet werden können. Da leider zu schnell oberflächliche Antworten gegeben, zu schnell nach höheren Strafen gerufen und zu schnell weitere nutzlose Verbote erlassen werden, ist die ständige Erinnerung an die noch offenen Probleme aus meiner Sicht unerlässlich. Auch in einer den mystischen Problemen nahe stehenden Sendung.
Ergänzt von mir am 19.05.2008: Fachleute, zu denen ich offensichtlich nicht gehöre, nennen das Experiment mit den Stromstößen das „Milgram-Experiment“. Es ist in der Wikipedia recht umfangreich beschrieben, so dass ich mir hier jede weitere Erläuterung ersparen kann. Es ist ja nicht das erste Mal, dass Aiman Abdallah und sein Team so tun, als sei die Wikipedia noch gar nicht erfunden. Das Milgram-Experiment wurde erstmals 1962 durchgeführt. Damit ist es schon 46 Jahre alt. Damals war es ja mit dem Fernsehen noch nicht so weit her und ich ging noch in die Grundschule. Eine Art "Milgram-Experiment" beschreibt auch die Bibel. Abraham wurde von Gott als höchster Autorität persönlich aufgefordert, seinen Sohn zu opfern. Und er zeigte sich dazu bereit. Es war nur ein Test, sagte man ihm später.
Ergänzt von mir am 03.12.2008: Unter der Überschrift „Legenden der Vergangenheit“ präsentierte auf N24 der stellvertretende Chefredakteur und N24 Moderator Andrej Grabowski nach eigenen Aussagen drei spannend recherchierte Themen in einer aufwendig produzierten Sendung (So 30.11.2008 22:05, Mo 01.12.2008 01:00, Mo 01.12.2008 03:50). Der Beitrag besitzt aber eine sehr große Ähnlichkeit mit „Galileo Mystery“. Einer dieser drei Teile befasste sich mit dem Bösen in uns. Ich habe folgende drei Unterschiede gefunden:
- Der „verschwundene“ Original-Moderator
- Aiman Abdallah wurde weder im Wort oder im Bild erwähnt. Die anderen Teilnehmer seiner Sendung wurden gezeigt, aber ohne die bekannte Namensleiste.
- Die Länge der Sendung
- Auf N24 hatte der Beitrag eine Länge von etwa 15 Minuten. Das entsprach der der Originalsendung, nachdem die Werbung und alle Wiederholungen herausgeschnitten worden waren.
- Wechsel des Sender-Logo
- Das Galileo-Logo links unten war vollständig entfernt und durch das N24-Logo sowie die Uhrzeit rechts oben ersetzt worden.
Ergänzt von mir am 13.12.2008: Seit dem Frühjahr bringt Pro7 dienstags um 0.10 Uhr Wiederholungen älterer „Galileo Mystery“-Beiträge (hier: 20.05.2008). Das ist für mich weder die Zeit, in der ich regelmäßig fernsehe, noch der Abschnitt des Tages, in dem ich mich besonders konzentrieren kann. Mich weiter in die Wechsellage der Argumente einzuarbeiten, erfordert für mich immer größere Zeitabschnitte.
Ergänzt von mir am 21.12.2008: Angekündigt war auf N24 in „Legenden der Vergangenheit“ (18.12.2008 und 19.12.2008) König Artur, Robin Hood und die Hure der Päpste (Wortwahl N24). Gekommen aber sind zwei weitere Wiederholungen unter anderem über das Böse.
Ergänzt von mir am 28.07.2009: Und wieder eine unveränderte Wiederholung (PRO7 Fr 24.07.2009 22:05, Di 28.07.2009 00:05). Bei einer solchen Sendung fragt man sich natürlich auch, ob man selber wie ein Engelchen durch die Gegend schwebt und einem der Platz im Himmel sicher ist oder ob man mit einem Pferdefuß dahin humpelt und der Pabst seine Absicht, die Hölle abzuschaffen, doch noch einmal überdenkt. So einfach ist die Frage gar nicht zu beantworten. Es wurde hier aktives Handeln und passives Geschehen lassen zusammen gerührt. Ich bin mir völlig sicher, dass ich niemanden im Sinne von meucheln töten oder ermorden werde. Obwohl oder gerade weil ich mich in meiner Jugend etwas mit Kampfsport befasst hatte und mich dazu von meinen Fähigkeiten durchaus noch für körperlich fähig halte. Ich hatte eben nicht nur den Würgegriff isoliert sondern gemeinsam mit der moralischen Verantwortung zum bewussten, also verantwortungsbewussten Einsetzen desselben als eine Einheit gesehen. Der Beitrag hatte ja auch gezeigt, wie nutzlos und lächerlich die Deutschen Verbote ausgewählter Messer sind. Auch ich besitze Messer, eben Küchenmesser. Zwar nicht in einem solchen Umfang, aber zwei etwas längere sind dabei. Und sie sind auch vermutlich etwas schärfer als in normalen Haushalten. Die zweckgebundene Aufgabe, das Schneiden von Fleisch kommt ja mangelns Geld nicht täglich zur Anwendung, aber ein Mal in der Woche reicht zur Übung aus. Ich befand mich noch nie in einer solchen Situation, die Verantwortung an einen Vorgesetzen oder Übergeordneten abschieden zu können. Als Elektriker würde ich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht bis zur höchsten Spannung gehen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich nicht einem Bereich, in dem ich mich nicht so gut auskenne, die Grenze meines von mir zugelassenen Handelns vielleicht doch mal zu weit schieben lassen würde. Es liegt aber dann nicht das Ausbrechen des Bösen aus mir, sondern die fachliche Begrenztheit vor. Vor Gericht heißt es aber, Nichtwissen schützt nicht vor Strafe. Als Resultat bleibt die Schlussfolgerung: Je weiter sich der Bogen der Allgemeinbildung beim Einzelnen spannt, desto sicherer wird der Betreffende in einer vorher nicht absehbaren Situation handeln. Dabei ist die Androhung einer höheren Strafe völlig unerheblich. Über die Strafe wird ja erst verhandelt, wenn die spontane Tat oder deren Unterlassung schon längst vergessen ist.
Ergänzt von mir am 05.12.2009: Nun wiederholte N24 die unter der Überschrift „Legenden der Vergangenheit - Themen: In den Abgründen des Menschen“ schon einmal vom stellvertretenden Chefredakteur und N24 Moderator Andrej Grabowski präsentierten drei spannend recherchierte Themen in der aufwendig produzierten Sendung ( Do 03.12.2009 00:10, Sa 05.12.2009 04:50 ). Der eine Beitrag wies gewisse Ähnlichkeiten mit meinem Beitrag „'Galileo Mystery' und 'Das Böse'“ auf. Die Einschaltquote steigt schneller in die Höhe je breiter die vermeintliche Schlechtigkeit eines einzelnen, fremden Menschen aus gewalzt wird. Das ist aus meiner Sicht das eigentlich Böse in vermutlich jedem Menschen. Dies wird dann nur noch dadurch überboten, dass es von vielen einfach ignoriert und abgestritten wird. Man sollte sich aber auch immer wieder in Gedächtnis rufen, dass das „Experiment“ ursprünglich aus dem Staat/Land kommt, in dem noch heute regelmäßig Todesurteile genüsslich vor (ausgwählten) Zuschauern vollzogen werden.
Ergänzt von mir am 01.09.2010: N24 wiederholte in "Legenden der Vergangenheit" (22.07.2010) unter der Überschrift "In den Abgründen des Menschen" zum Thema "Das Böse in uns" seinen Beitrag über die Delegierung der persönlichen Verantwortung in geeigneten Fällen. Dieser Beitrag zeigte das aktive „böse“ Handeln. Bei einem über den Rand einer deutschen Untertasse gehenden Horizont denkt man zwangsläufig auch mal über passives Handeln oder Nicht-Handeln nach. Dabei steht dann die unterlassene Hilfeleistung an der Spitze. Und häufig ist diese unterlassene Hilfeleistung ein Ergebnis von mehr oder weniger qualifizierten Ausreden oder bedingt durch ein Widerstreit verschiedener gleichzeitig sich wiedersprechenden Pflichten. In dieser Folgerichtigkeit muss man sich dann bald auch die Frage stellen, wann ist der Mensch in der konkreten Situation überfordert. Dieser Frage folgt unmittelbar die Frage: Wann darf der Mensch überfordert sein? Sich hinterher mit viel Zeit darüber auszulassen ist doch recht unfair, wenn der betroffene etwas per sofort und ohne ausreichendes Wissen entscheiden sowie unmittelbar auch persönlich umsetzen muss. Der Vorgesetzte ist eine Möglichkeit, Verantwortung weg zu delegieren. Der Gruppenzwang wirkt vielleicht sogar noch stärker. Wer möchten schon vor seinen Kollegen, Freunden oder Kumpeln gern ein Verlierer, ein Warmduscher, ein Nestbeschmutzer sein?
Meine weiteren Beiträge zu 'Galileo Mystery'
Meine Beiträge zu weiteren Wissens- und Wissenschaftssendung im Fernsehen
(Wird mir verschlüsselt zugestellt, eine Signierung per PGP oder eine Antwort-Adresse im Text wären nützlich)
Aktueller Twingly BlogRank:
Kommentare
Dein Kommentar
Trackbacks
Die Trackback-Fuktion ist zur Zeit wegen Spam deaktiviert.
URL dieses Artikels: http://bigbummi.blogg.de/eintrag.php?id=477Eintrag verschicken
Jeder darf natürlich meine Beiträge kommentieren.
Besonders fleißig sind allerdings die Spam-Produzenten.
Deshalb werden eingetragene Kommentare erst nach einer
manuellen Freigabe sichtbar.
Bei älteren Kommentaren wurden aus rein technischen Gründen die Verknüpfungen zu den Beiträgen gekappt. Aber irgendwo existieren sie noch.
Neue Kommentare sowie nach und nach auch die älteren werden von mir direkt in die jeweiligen Beiträge integriert. Damit können sie nicht mehr verloren gehen.
Ich schreibe nicht mehr zu allen Problemen neue Beiträge. Ab und zu ergänze ich ältere Beiträge mit neuen Aspekten. Wer über eine Suchmaschine zu einem meiner Beiträge kommt, hält dann gleich alles in einer Hand. Der RSS informiert nicht über derartige Ergänzungen, aber wer nutzt schon in meinem Blog RSS.